Ganz genau wie Nina es versprochen hatte, habe ich am letzten Wochenende endlich mal neue Ecken von München kennen gelernt. Wurde ja auch Zeit, denn ich habe nur noch zwei Monate Zeit um die Stadt genauer zu erkunden.
Day One
Ich beginne einfach mal chronologisch mit dem Rückblick. Nachdem Nina und Florian am Donnerstagabend angekommen sind, musste ich ja freitags noch arbeiten und konnte die beiden nicht bei ihrem ersten Stadtbummel begleiten. Aber am Samstag ging es dann auch für mich mit dem Sightseeing los!
Sendling
Am Sendlinger Tor war ich vorher schon ein paar Male, aber so richtig habe ich mir die Straßen drum herum noch nie angesehen. Da sind wirklich einige niedliche Läden. Und mitten zwischen den Gebäuden, eigentlich ganz unscheinbar, ragt eine Kirche empor. Wenn man reingeht, bleibt einem vor lauter Goldverzierungen fast der Atem weg. Da war der Hinweis, dass es sich nicht um ein Museum, sondern die Asamkirche handelt, schon sehr angebracht.
Allianz Arena
Direkt im Anschluss machten wir uns auf den Weg zur Allianz Arena. Ich, weder Bayern- noch 1860-Fan, gehe natürlich mit einer ganz anderen Einstellung zum Stadion. Ich war vorrangig von der Architektur des Gebäudes beeindruckt und mich hat die enorme Größe der Arena wirklich beeindruckt. Noch erstaunlicher aber, dass man selbst auf den „schlechtesten“ Plätzen, also oben auf dem dritten Rang noch eine super Sicht aufs Spielfeld hatte. Bei der Tour haben wir neben der Aussicht vom dritten Rang und Ehrentribüne noch den Pressebereich, die Spielerkabinen (von welcher Mannschaft wohl?!) und die Mixed Zone gesehen. Man kann da wirklich einige Kilometer in der Arena zurücklegen, wenn man sich alles ansehen will.
Schwabing
Weiter ging’s in eines der schönsten Viertel Münchens. Ein bisschen Abseits des Rummels der Innenstadt befindet sich Schwabing. (Ich bemerke gerade, dass ich ich so auch gut einen Reiseführer beginnen könnte.) Nach einem verspäteten, aber dringend notwendigen, Mittagessen in einer kleinen Pizzeria, machten wir uns auf den Weg ein bisschen die Seitenstraßen zu erkunden. So fanden wir per Zufall eines von Paul Klees Ateliers (hier eine kleine Erinnerung an Florian, dass er Marina davon erzählen wollte, falls nicht schon geschehen.). Danach marschierten wir, mit schon ziemlich müden Füßen, zur Hohenzollernstraße, der Haupteinkaufsstraße in Schwabing. Dort reiht sich eine Boutique neben die andere, ganz vermischt mit kleinen Antiquitätenläden und anderen Geschäften. Spontan kam ich auf die Idee nach einem schönen Sommerkleid zu suchen und ich wurde tatsächlich fündig. Wer einen Blick drauf werfen will, muss zum Abiball kommen oder aber auch morgens zur Abientlassung. Ich habe noch nicht entschieden, wann ich es tragen werde.
Kino Vs. Filmtheater
Wie bereits angedeutet, wurden unsere Füße immer schwerer und wir immer müder. Aber so einfach wollten wir den Tag nicht enden lassen. Also entschlossen wir uns spontan ins Kino zu gehen. Da im Mathäser und im Gloria Palast aber nichts kam, was wir nicht schon kannten, und der Rest nicht wirklich ansprechend war, versuchten wir unser Glück in dem kleinen Filmtheater Tivoli zwischen Stachus und Marienplatz. Es hat sich wirklich gelohnt noch ein paar Meter zu laufen – auch wenn’s uns schwer fiel – , denn nicht nur der Film („Irina Palm“) war klasse, sondern auch das Filmtheater an sich. Dass das Wort „Theater“ im Titel vorkommt, ist vollkommen gerechtfertigt. Noch nie habe ich einen so schönen Saal gesehen, außer in einem Theater oder in der Oper. Da ist es gleich ein ganz anderes Gefühl einen Film zu schauen. Noch besser gekommen, wäre es vielleicht mit einem Klassiker à la „Casablanca“ o. ä. Aber auch so, war es definitiv ein Erlebnis, mit dem die großen Multiplexe nicht mithalten können.
Münchner Nachtleben
Die zwei Stunden im Kino Sitzen haben uns wieder einigermaßen regeneriert, so dass wir uns also auf die Suche nach einer netten Bar machten. Leider wurden wir in der Innenstadt nicht wirklich fündig und noch groß irgendwo hinfahren wollten wir auch nicht mehr. Dafür waren wir dann doch zu kaputt. Aber immerhin sind wir bei unserer Suche noch auf ein paar interessante Ecken gestoßen, an denen ich bisher, blind wie ich scheinbar bin, immer vorbei gelaufen bin. Da war z. B. der Dallmayr, der Max-Joseph-Platz, wo auch das Residenz-Theater zu finden ist, und dann noch der Bayerische Hof (an dem ich doch schon mal zwar auch unbewusst, aber dennoch bemerkend, mit Moe vorbei gelaufen bin). Irgendwann wollten uns unsere Füße aber doch nicht mehr tragen und so ging ein langer Tag dem Ende zu.
S-Bahn Adventure
Aber so leicht wollte es der ÖPNV es uns nicht machen nach Hause zu kommen. Bereits am Morgen hatten wir mitbekommen, dass unsere S-Bahn nicht planmäßig fuhr, da man die Baustelle zwischen Giesing und Ostbahnhof aufs Wochenende gelegt hatte. Es war also alles mit viel Warterei an den U- und S-Bahn Stationen Ostbahnhof und Neuperlach Süd verbunden. Gegen zwei Uhr war ich dann endlich im Bett, was nach so einem Tag echt spät ist. Moe wird bestätigen können, dass das in letzter Zeit echt eine Meisterleistung an Wachbleiben war, schlafe ich doch immer schon um 22 Uhr ein, wenn er da ist.
Day Two
Auch für den Sonntag hatten wir uns einiges vorgenommen und nach einer viel zu kurzen Nacht machte ich mich wieder auf den Weg zur S-Bahn.
Lenbachhaus und Pinakotheken
Da sonntags die Pinakotheken für nur einen Euro zu besichtigen sind, waren diese Ausstellungen also unser Ziel Nummer Eins. Wir wurden nur kurz von unserem Weg abgebracht, als wir vom Königsplatz aus das Lenbachhaus entdeckten. Also legten wir einen kurzen Zwischenstopp in dessen Garten ein. Hier noch einmal der Kommentar an mich selbst: „Kauf dir ’nen Reiseführer, frau! Sonst wirst du noch an vielen schönen Ecken blind vorbei laufen!“
Die Neue Pinakothek sowie die Pinakothek der Moderne kannte ich schon, doch in der Alten bin ich noch nie gewesen. So bildete diese also unser erstes Etappenziel. Von Flamen über die Italiener und Franzosen war alles vertreten. Ob nun Dürer (fotografisch festgehalten für Marina) oder bis hin zu Rubens und Raphael war wohl alles Namhaftes vertreten. So manches Mal wurde ich an den guten alten Kunstunterricht in der Schule erinnert, als ich nun Bilder, die wir damals als Dias präsentiert bekommen hatten, nun „live“ vor mir sah. Auch ein Da Vinci und ein Velazquez waren zu sehen, doch diese Gemälde gehörten leider eher zu den unbekannteren. Auch fehlte mir das Adam und Eva Darstellung von Lucas Cranach dem Älteren, die ich ja bereits in abgewandelter Form aus dem „Desperate Housewives“-Vorspann kenne.
Nach einem kurzen Mittagessen bzw. verspäteten Frühstück (wir sind immer etwas spät dran
), ging es dann weiter in die Pinakothek der Moderne. Da ich ja einen großen Teil der Ausstellung schon kannte und mich die Expressionisten halt so gar nicht interessieren (ja, ich geb’s zu), bin ich direkt in die Design-Abteilung (klingt wie im Kaufhaus) gegangen und habe mir einige Making Ofs der alten „Afri Cola“-Werbespots angesehen. Nachdem wir die auch in den Gestaltungsvorlesungen im Grundstudium hatten, fand ich es ganz gut, nun einen etwas besseren Einblick in die Entstehung zu bekommen. Leider waren, aufgrund von Umbaumaßnahmen wegen neuer Ausstellungsbereiche, nicht mehr alle Stücke zu sehen, die mich vom letzten Besuch her noch interessiert hätten. Stattdessen wurde ich aber im ersten Stock fündig und verbrachte dort den Rest der Zeit bis die Pinakothek schloss. Dort wurde eine Art Remake der Alfred Hitchcock Filme gezeigt („Looking for Alfred“ (2004)) mit lauter Hitchcock-Doubles in den Hauptrollen. Abgesehen davon, dass der Bot fehlt, erinnerte mich diese Ausstellung ein bisschen an die Remakes meines Vorgänger-Semesters in Medienkonzeption bei Prof. Fetzner. Mich hat der Kurzfilm echt beeindruckt, vor allem, weil einem erst nach einiger Zeit bewusst wird, dass er in einer Endlosschleife läuft. Man entdeckt auch nach mehreren Durchläufen immer wieder neue Details, die Gesamtbild und –handlung schlüssiger machen. Dickes Lob an die Autoren, Regisseure und Produzenten an dieser Stelle!
Englischer und Hofgarten
Um 18 Uhr schlossen sich also die Pforten der Pinakotheken und wir mussten uns spontan über den weiteren Verlauf des Abends einigen. Da es zu Fuß noch einigermaßen in erreichbarer Nähe schien, machten wir uns auf den Weg zum Englischen Garten. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei den Surfen (inzwischen finde ich die Prinzregentenbrücke glaube ich schon im Schlaf) gingen wir weiter zum Japanischen Teehaus. Dort machten wir wieder einige Zeit Rast und beobachteten die alten Frauen dabei, wie sie Schwäne, Enten und Blesshühner (ja, Blesshühner, keine Haubentaucher) mit altem Brot fütterten. Mir kam kurz der Gedanke, ob ich irgendwann mal mit einem harten alten Brot herkomme und teste, ob man damit wirklich Enten umbringen kann. Die Zeit verging ziemlich schnell und auf dem Rückweg machte Nina noch schnell ein Bild von der Bavaria (an der ich bisher auch immer blind vorbei gelaufen bin) und durch den Hofgarten gingen wir zum Odeonsplatz. Damit endete dann auch schon wieder der Sightseeing-Tag für mich.
Nina und Florian hatten dann noch Montag und Dienstagmorgen um sich weitere Ecken Münchens (z. B. Olympiapark) anzusehen, doch da rief bei mir schon wieder die Arbeit. Aber ich bin mir sicher, dass ich es in den verbleibenden acht Wochen auch noch irgendwie schaffe ein paar schöne neue Viertel in der bayerischen Hauptstadt aufzuspüren.
Das war’s erstmal zu dem Wochenende. Weitere Infos zu meinem Business-Trip nach Eindhoven und mein Kurzurlaub zuhause dann beim nächsten Mal.
Ich denke, jetzt reicht’s!